Ökos und Esos

Den August verbrachte ich in der Schweiz auf 1100m neben dem Brienzer See. Im Vorhinein hatte ich mich als Voluntär auf der Schweibenalp beworben und durfte einen Monat im Kräutergarten helfen für Kost und Logie. Mir wurde ein großes Kuppelzelt mit dem Namen „Dom“ zugeteilt, das ich für die nächsten 4 Wochen mit mehreren Leuten teilte. Leider war die Isolierung gleich 0 und der Ofen im Zelt war auch eher gut gemeint als gut, womit die erste Nacht trotz Decken affenkalt war. Doch die Aussicht am nächsten Tag war noch so manche kalte Nacht wert.

Die Schweibenalp wurde vor etwa 30 Jahren als Ashram im Auftrag Babajis gegründet und eine Gemeinschaft lebte die vergangenen Jahre dort nach indischem Vorbild. In den letzten Jahren wurde das alte Hotel, das auf der Fläche steht zum Gästehaus umgebaut und ein Seminarzentrum eingerichtet. Dazu kam kurz darauf eine alpine Permakultur mit Gemüseanbau und Kräutergarten.

Hauptgebäude der Schweibenalp

Im Laufe der Wochen kam der ein oder andere Seminar und ging wieder. Immer von uns als Gemeinschaft mit Gesang begrüßt, was mir echt gut gefallen hat. Auch dass nach jedem Morgenplenum gesungen wurde und sich ein guter Tag gewünscht wird, sind schöne Rituale. Rituale. Rituale waren insgesamt sehr wichtig, nicht so mir aber ich bemerkte, dass vielen der Leute, die schon im Ashram waren viel an den Riten halten. Der Durchlauf an Menschen ist also immens. Sowohl durch die Seminare als auch der der Voluntäre. Mit denen hatte ich am Meisten zu tun, da ich ja selbst auch einer war. Und so fuhren wir nach getanem Tageswerk an den Brienzer See zum Baden, gingen Wandern oder den nahegelegen Gießbach erkunden.

Zu meinem Alltag gehörte das Frühstück von 8 bis 9 Uhr, bis 13 Uhr arbeiten in der Kräuterei, Essen bis 14 Uhr und dann nochmal bis 16 Uhr arbeiten. Bei gutem Wetter war ich fast immer draußen in den Kräuterterassen und jähtete und pflegte und erntete Melissen und Malven, Minze, Brennnessel, Schafgarben, Königskerzen und Nachtkerzen und viele mehr. Die Kräuterei verfügt über große Trockenschränke, in welchen das Gesammelte für einige Tage trocknet, dann etikettiert wird und später weiterverarbeitet wird. Hauptsächlich werden Kräutersalze, Essige und Öle, Balsam und Tee hergestellt, die sowohl auf der Alp als auch im Dorf und diversen Delikatessengeschäften in der Schweiz verkauft werden.

Die viele Zeit draußen, das Arbeiten mit den Pflanzen – hauptsächlich jähten ;)- und das Trocknen und Verarbeiten dieser, gepaart mit wundervollem veganen Essen und fabelhaften Menschen, mit denen ich viele Lagerfeuer- und Sterneschaumomente verbringen durfte, haben die Zeit auf der Schweibenalp zu einer sehr schönen für mich gemacht.

Teilweise kam ich mit dem Esoterischen mancher Leute und inkosequenten Ökogetue nicht zurecht: Lichtaliens und Astralwesen, die auf der Erde gelandet sind, Gurus, die sich von ihren Anhängern das Essen liefern lassen, Essen und Menschen, die vom andren Ende der Welt eingeflogen werden und für die die Atmossphäre zerstört wird, aber alle leben im „Einklang“ mit Mutter Natur. Über den Winter nach Indien fliegen, um dort voll öko zu sein. Klimawandelleugnungen und Verschwörungstheorien. Auch wenn das Genannte nicht von der ganzen Gemeinschaft ausging, wurde mir wieder bewusst, wie unterschiedlich wir alle sind. Und dass ich das nicht ändern kann und auch nicht sollte. Ich kann mir nur mir selbst bewusster werden und danach handeln, darüber reden und diskutieren und hoffen, dass andere sich ermutigt fühlen es mir gleichzutun.

Und damit bin ich froh zum ersten Mal in einem „Ökodorf“ gewesen zu sein. Mir wurde klar, dass der Begriff sehr dehnbar ist, und ich das ein oder andere anders machen werde. Doch die Menschen, die ich dort traf waren wunderbar und auch so manch schöner Gedanke kreuzte meinen Weg. Nicht zuletzt 4 Wochen wunderschönes Alpenpanorama =)

Und Dankbarkeit. Deswegen Danke für diese Ehrfahrung

Baumocin

In erster Linie bin ich Erdenbewohner. Auf meiner Reisen möchte ich lernen ein besserer Teil dieser Erde zu werden und ihr nicht zur Last zu fallen, sondern in Harmonie zu leben. In den letzten Jahren habe ich gemerkt wie wenig ich weiß. Deswegen begebe ich mich hinaus in die Welt und ins Unbekannte auf der Suche nach Menschen, die mir Wissen, Fertigkeiten und Ideen geben, wie ein alternatives Leben aussehen kann, das nicht auf Konsum, Profitmaximierung und Egoismus basiert. Das Anlegen von Gärten, Bauen von Konstruktionen zur Versorgung mit Energie, Wasser oder anderem und das Lernen von Kommunikation sind meiner Meinung nach dabei essentiell. Auf diesem Blog möchte ich die Ideen, Eindrücke und Erfahrungen aber vor allem auch die Menschen vorstellen, die mir begegnen und Anregungen an jede(n) geben im Privaten aber auch in der Gesellschaft einen Wandel voranzutreiben hin zu einer ökologischeren, nachhaltigeren und friedlicheren Welt

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