Am Golf von Thailand

 

Zwei Monate Rucksackreisen durch Südostasien gehen zu Ende. Kulturschock, tauchen und Feste im Zeichen des Mondes. Ich bin wieder in Thailand angekommen, den Süden, mit seinen malerischen Inseln, habe ich mir für das Ende meiner Reise aufgehoben. Auf geht es nach Koh Chang, Koh Tao und Koh Phangan.


Koh Chang

Die erneute Einreise in Thailand fühlt sich komisch an. Ich erlebe wohl tatsächlich das erste Mal in meinem Leben einen Kulturschock. Ich kam damit klar, in ärmere Gebiete zu reisen. Nun bin ich von der Modernität Thailands überfordert. Damit hätte ich nie gerechnet, aber es fühlt sich echt erstmal komisch an. Zunächst denke ich auch, die thailändische Mutti die mich fährt ist Geisterfahrerin.. Hier herrscht wieder Linksverkehr, das hatte ich schon ganz vergessen. Und die Straßen sind so krass ausgebaut. Doch den größten Schock stellt die Fähre nach Koh Chang dar. Sie ist riesig, dreistöckig und es fahren lauter Autos drauf! Wo bin ich hier? Es wimmelt nur so von russischen Pauschaltouristen. Auf dem Schiff sind kleine Geschäfte. Es ist gruselig. Sollte Koh Chang nicht auch ein Backpacker-Paradise sein? Das kann ich nicht mit meiner kambodschanischen Idylle in Einklang bringen.
Angekommen lasse ich mich an einen Ort namens „Lonely Beach“ bringen. Die TukTuk Fahrt dauert bestimmt eine Stunde. Da merkt man, wie riesig die Insel ist. Sie ist die zweitgrößte in Thailand und es gibt zahlreiche Möglichkeiten unterzukommen. Riesige Hotelketten, zwei Krankenhäuser, ausgebaute Straßen. Die Insel ist wohl vollkommen autark und viel zu modern und überlaufen.
Am Lonely Beach lässt es sich aber aushalten. Viele Gasthäuser und zahlreiche Tattooshops kreieren zusammen mit Essensständen dann doch ihren Charme. Wie überall kann man auch hier tauchen, Elefanten reiten, Kajak fahren, Trekking machen und Wasserfälle besuchen. Ich gammel aber hauptsächlich einfach am Strand rum. Die Musik wimmert hier übrigens die ganze Nacht und mein Bett vibriert. Nach 3 Nächten verlasse ich wieder die Insel, die durch die Bekanntschaften die ich gemacht habe, auch eine gute Zeit dargestellt hat. Aber wenn sie nicht auf dem Weg liegt, lohnt es sich meiner Meinung nach auch nicht, sie anzusteuern.

Um in den Süden zu kommen, muss man zunächst per Minivan nach Bangkok. Dort kommen wir um Mitternacht an und nehmen den Skytrain um eine Unterkunft in Nähe des Hauptbahnhofs zu finden. An den Haltestellen Victory Monument und National Stadium sieht man die Demonstranten kampieren. Die Polizei ist auch in der Nähe, mittlerweile wurde ja der Notstand für die Stadt ausgerufen.
Am nächsten Tag stehe ich gerade an einer Ampelkreuzung beim Hauptbahnhof, als mindestens 30 Minibusse an uns vorbeifahren. Beladen mit uniformierten Polizisten oder Soldaten.
Fühlt sich komisch an, doch da ich am nächsten Tag keine besonderen Zeitungsmeldungen entdecken kann, sind die wohl einfach schon für die bevorstehenden Wahlen angerückt.
Ich kaufe mir ein Ticket und verlasse die Hauptstadt erneut.

Koh Tao.

Mit dem Zug nach Koh Tao

Ich weiß nicht, wie ich wieder in so einer Situation gelandet bin. Was dachte ich mir beim Buchen des Zuges, der mitten in der Nacht in einer fremden Stadt anhält und ich keine Unterkunft im Voraus gebucht habe? Natürlich hat der Zug auch noch Verspätung und so weiß ich nicht wann ich ankomme und muss mich irgendwie wach halten um meinen Stop nicht zu verpassen. Ich habe keine Ahnung wie ich nach 2 Uhr hier noch ne Schlafmöglichkeit finden soll. Nach 10 Stunden im Zug (ich habe echt die langsamste Verbindung überhaupt gefunden) sehe ich endlich einen Menschen, der so aussieht, als könnte er das gleiche Ziel haben. Ich spreche sie an, sie will auch nach Chumpong und hat auch keine Unterkunft. Wie ich solche Momente liebe! Ich fühle mich direkt sicherer, denn nun weiß ich, nicht allein im Nirgendwo zu stranden. Ich hab ja nicht mal einen Stadtplan. Um 3 Uhr nachts kommen wir an, die Fahrt dauerte fast 12 Stunden. Freunde hatten zuvor 250 Bath mehr für ihren Zug gezahlt, waren dafür aber auch nach 7 Stunden da. Macht also nicht immer Sinn, nach dem Günstigsten zu Streben. Aber es tut mir selbst gut, weil ich weiß, das ich mein Geld nicht zum Fenster rausschmeiße. Wir wecken irgendwelche Hotelbesitzer und bekommen ein Bett.
Am nächsten Vormittag nehme ich den Katamaran nach Koh Tao. Und bin mal wieder vom Preisverhältnis geschockt. 600 Bath für 2 Stunden auf dem Wasser, nur 300 Bath für 11,5 Stunden Zug.
Mein Hauptziel auf Koh Tao ist das gleiche, wie von so vielen die hier landen: Tauchen!
Hab’s zwar noch nie ausprobiert, aber wenn, dann richtig. Und so möchte ich meine Open Water Lizenz bekommen.

Tauchkurs auf Koh Tao – Preise, Unterkunft und Ablauf

Ich melde mich beim Ko Tao (Dive) Resort an. Andere Reisende waren hier sehr begeistert von Tauchlehrern, Unterkunft und Atmosphäre. Wenn man kompletter Anfänger ist und den Tauchschein machen will zahlt man 9800 Bath, was 219 Euro entspricht. Die Unterkunft ist für 4 Tage mit inbegriffen. Günstiger geht nicht.

Unterkunft
Generell ist es ein 5 Sterne Luxusresort, mit eigenem Werbeclip und pipapo. Doch die Taucher werden in Dorms untergebracht und so herrscht in unserem Abschnitt eine entspannte Stimmung. Ich habe ein helles, sauberes 4 Bett Zimmer – ganz für mich alleine. Ich habe noch nie erlebt, das jemand ein Dorm für sich allein hatte, ist aber auch nicht schlecht.
Bei der Tauchschule angekommen, füllt man erstmal Dokumente aus, um all seine Rechte abzutreten. Wenn man stirbt, darf die Familie nicht klagen und solche Dinger. Und man wird bezüglich der Gesundheit befragt. Wenn es hier Probleme gibt, wird ein Arzt konsultiert.

Tauchschein
Die meisten Tauchschulen benutzen das weltweit anerkannte PADI System. Ist empfehlenswert, weil ihr so mit eurem Schein überall tauchen könnt. Es gibt 3 „Stationen“ die zu absolvieren sind: Theorie, tauchen im Pool und tauchen im offenen Meer. Und beim PADI System kann man sich weiterbilden und so weiter in die Tiefe tauchen, Tauchlehrern werden etc. Mit der Open Water Lizenz dürft ihr auf 18 Meter hinab

Theorie
Mein Buch zum lernen, die Videotutorials und die Tests sind auf deutsch, mein Praxisteil auf englisch. Wenn ihr gerne einen deutschsprachigen Tauchlehrer hättet, könnt ihr den Schein zum Beispiel bei „Ban’s“ machen.
Erstmal ist man etwas konfus von all den neuen Dingen, die man lernt, aber hat man sie erstmal in der Praxis angewendet wird’s logisch. Und die Tests sind kein Thema, es ist egal wie viele Fehler ihr macht, es geht nur darum, dass ihr euch eure Lücken erklären lasst. Somit besteht jeder den Theorieteil. Die Theorieteile erfolgen gesplittet auf 4 Tage.

Praxis
Mit der Praxis beginnt man vorm Pool. Zunächst lernt man die Geräte kennen, dann geht es ins Wasser. Die ersten Atemzüge unter der Oberfläche sind Wahnsinn. Ihr werdet nach und nach an verschiedene Techniken herangeführt, so lernt ihr zum Beispiel, wie ihr eure Taucherbrille unter Wasser vom eingedrungenen Wasser befreit (Physik, die begeistert ;)) oder aus der alternativen Luftversorgung eures Partners atmet.
Nach 2 Stunden tauchen wir wieder auf. Druck auf den Ohren ist normal, doch mein linkes tut weh. Die Tauchlehrer nehmen es aber nicht ernst. Am nächsten Tag spüre ich immer noch diesen leichten stechenden Schmerz und höre durch den Druck schlecht, doch wieder heißt es, ich soll mir keine Sorgen machen, alles normal. Also geht es los, zum ersten richtigen Tauchgang im offenen Meer. Zunächst soll es maximal auf 10 – 12 Meter gehen. Während der Bootsfahrt bereitet man seine Ausrüstung vor, dann erfolgt der Sprung.

Die Unterwasserwelt von Koh Tao

Ungewohnt, aber ist man erstmal am Abtauchen, toll und beeindruckend.
Ich versuche als den zuvor erlernten Druckausgleich durchführen, doch das bringt nichts. Ab 3 Metern wird der stechende Schmerz unerträglich, was ich mit Handzeichen meiner Lehrerin begreiflich machen will. Ich tauche auf. Und ganz ehrlich, wenn ihr Anfänger seid und auf einmal Angst habt, euer Trommelfell platzt, dann denkt ihr nicht mehr an irgendwelche erlernten Techniken zum Aufstieg. Ich versuche noch ein zweites Mal abzutauchen, doch wieder schrecklicher Schmerz. An der Oberfläche schnauzt mich meine Lehrerin an, das ich nicht die einzige Schülerin wäre und sie sich auch um die andern kümmern muss und ich doch einfach den Druckausgleich machen soll. Aber ich entschließe mich zum Boot zu schwimmen, das bringt nichts. An dieser Stelle fand ich das Verhalten der Lehrerin unmöglich. Wir waren 3 Schüler mit 2 Lehrern. Die anderen tauchen weiter, dann noch ein zweiter Tauchgang, während ich auf dem Boot warte. An Land muss ich erst die Ausrüstung reinigen, dann darf ich zum Arzt.
Zum Glück ist einer in der Nähe, und sie sind sogar auf Taucherkrankheiten spezialisiert. Es stellt sich heraus, das mein Trommelfell entzündet ist und ich somit die absolut richtige Entscheidung getroffen habe, nicht weiter zu tauchen. Ich bekomme 4 Medikamente verschrieben, muss 11 Tabletten am Tag schlucken und rund 50 Euro zahlen.

Mein Tauchschein muss somit warten, die Theorie kann ich abschließen und die Praxis absolvieren, wenn die Ärztin das OK gibt. Ich mag meine Tauchschule, aber ich finde es arm, das sich meine spanische Lehrerin nicht für ihr unprofessionelles Verhalten entschuldigt. Die folgenden Tage wird nur entspannt. Einen Abend fahren wir raus zum Sai Ree Beach, hier ist mehr los und wir feiern – ich dank Medikamente ohne Alkohol.
Nach einer Pause von 4 Tagen habe ich einen Kontrolltermin beim Arzt und darf das Tauchen fortsetzen. Das ist diesmal ein komplett anderes Erlebnis und wunderschön. Nicht zu vergleichen, mit dem schmerzhaften ersten Versuch. „Tauchen zeigt einem, das die Vorstellungskraft der Natur größer ist, als die eigene.“ So oder so ähnlich steht es in meinem Lernbuch und es stimmt. Tolle Farben und Fische und ulkige Pflanzen. Unbeschreiblich schön. So schließe ich meinen Tauchschein nach 3 Tauchgängen ab. Normalerweise sind es 4, aber mein erster hat leider gezählt. Ich bin froh nach dem schrecklichen ersten Mal Unterwasser weitergemacht zu haben und auch stolz auf mich.

Aktuelles aus Thailand

Zwischendrin kommt der 02. Februar und mit ihm die Wahlen. Man kriegt aber wieder nicht viel mit. Ich verfolge die Neuigkeiten im Internet und frage einen Einheimischen, ob er auf Koh Tao die Möglichkeit hatte, wählen zu gehen. Doch auch hier war es dem Volk nicht möglich, wie in so vielen Teilen des Landes. Ganz komische Politik die hier betrieben wird, die ich nicht begreife und so auch nicht darüber urteilen kann.

Koh Phangan

Die Partyinsel überhaupt. Ich reise mit gemischten Gefühlen an, hoffentlich wird es nicht so wie am Serendipidy Beach.
Doch das ist nicht der Fall! Ich habe zuvor online nach ner Unterkunft geschaut, weil ich nicht weiß, wie schnell die während einer Half Moon Party ausgebucht sind. Bei der Recherche stoße ich auf ein Hostel namens „Hard Road Café“. Den Namen finde ich so blöd, das ich es mir erstmal gar nicht anschaue. Doch irgendwann verführt mich der günstige Preis und ich buche doch.
Es wird das tollste Hostel meiner ganzen Reise! Ich zahle gerade mal 2 Euro die Nacht, und dafür bietet das Hostel einiges: Pool, große Flachbildfernseher zum Filme schauen, Volleyball-, Fußball und Petanquefeld , Warm up Partys vor den großen Festen… und die tollsten Menschen! Ich schlafe in ’nem 14-Bett Zimmer und werde herzlichst empfangen. Es ist ja normal, das man im Hostel immer ein paar netten Leuten begegnet. Aber hier ist es anders. Jeder bezieht mich sofort mit ein und jeder mag jeden. Es ist die sozialste, freundlichste zusammengewürfelte Gemeinschaft, die mir je begegnet ist.
Am ersten Abend wird ein großes Beerpong-Turnier gestartet und da ich noch immer Medikamente nehme, bin ich die einzig Nüchterne. Ausgeschlossen fühl ich mich aber nicht, sie wollen sogar, das ich mit Wasser mitspiele. Und auch die folgenden Tage sind toll. Weil ich dem Scooter fahren nicht so traue, nachdem sich damit gefühlt 90% aller Leute hinlegen, leihe ich mir mit anderen einen Jeep. Kostet auf alle verteilt nicht wirklich mehr als ein Scooter allein und man erleidet keine Verletzungen. Und! hier kann man keine Scooter mit Versicherung bekommen (im Gegensatz zu Pai) und so zahlt man für jeden kleinen Kratzer ein Vermögen. Ein Jeep fällt halt nicht um und so spart man unglaublich. Und es macht unheimlich Spaß so die Insel zu erkunden. Irgendjemand mit Boxen findet sich bestimmt und so braust man mit toller Musik durch den Wind. Wir erleben eine farbenfrohe (man malt sich im Vorfeld mit Neonfarben an) gigantische Half Moon Feier (ich darf wieder trinken) und entspannte Videoabende. Und dann ist meine Zeit auch schon rum und ich war noch nie so traurig darüber, weiterzureisen. Es fühlt sich einfach falsch an.

Nur noch eine Woche…

Falls ihr euch Informieren wollte zu den Reisekosten, dann schaut hier mal vorbei.

Jil Sayffaerth

Jil Sayffaerth, Jahrgang '91, lebt und studiert im wunderschönen Bamberg. Dort schreibt sie unter anderem für die Studierendenzeitschrift Ottfried und ist für den Online Bereich verantwortlich. Dabei, sowie beim Reisen, begeistert sie sich vor allem für interessante Begegnungen mit Menschen. Ansonsten hat sie Spaß an gutem Essen, Serien und kreativen Tätigkeiten, die eher Chaos statt Kunst hervorbringen. Rom und Kambodscha sind bislang ihre liebsten Reiseziele.

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