Kambodscha – Schreckliche Vergangenheit, eskalierende Partytouristen und einmalige Natur

Ein Einblick in die Geschichte Kambodschas, vom Massenmord der Khmer Rouge bis zu modernen Gefahren, Lachgas, Valium und Prostitution. Und dem wohl schönsten Strand meiner Reise.


Ich komme mir etwas komisch vor, all diese Themen, die so unterschiedliche Gefühle auslösen, in einem Beitrag abzuhandeln. Aber so ist die Realität und so unterschiedliche Seiten hat dieses Land.

Phnom Pen – Die Killing Fields

Mein erster Phnom Pen Eindruck: Es ist teuer. Zumindest teurer verglichen mit all den anderen Südostasien Orten, an denen ich zuvor war. Und auch an den folgenden Orten an denen ich mich befinden werde, wird es nicht mehr günstiger. Man zahlt mehr für die Unterkunft und mehr fürs Essen. Da mich die Stadt nicht so anfixt bleibe ich nur für 2 Nächte. Ich gehe wieder in ein NGO-Restaurant essen, das Straßenkinder einstellt, schlendere abends am Flussufer entlang (hier finden abends Aerobic Kurse statt, bei denen man kostenlos mitmachen kann) und freue mich über die Gesellschaft von Zweien, die ich zuvor in Pai kennengelernt habe und hier zufällig wieder sehe. Empfehlen kann ich hier vor allem die geschichtliche Auseinandersetzung mit dem Land. Besucht definitiv die Killing Fields, und wenn Zeit ist auch das Genozid Museum Toel Sleng.
Ich erzähle jetzt schonmal was über die Khmer Rouge, weil es einfach schockierend ist.

Khmer Rouge – Dunkle Herrschaft

Die Khmer Rouge (Rote Khmer) kamen 1975 an die Macht. Sie wollten die kambodschanische Bevölkerung in den Agrar-Kommunismus überführen. Bei dem gewaltsamen Vorgehen zum Erreichen des Ziels, wurde innerhalb von nur vier Jahren ein Viertel(!!) der eigenen Bevölkerung umgebracht, rund 2 Millionen Menschen. Ermordet wurden alle, die auch nur ansatzweise Intellektuell wirkten. Wenn man einen höheren Beruf ausübte, eine Fremdsprache beherrschte, oder man einfach nur eine Brille trug. Davon abgesehen starben viele auch noch an den Folgen der Folter oder sind einfach verhungert.
Alles Städtische sollte zerstört werden, das einzig Wahre stelle ja die Landwirtschaft dar. So wurde die Stadtbevölkerung gewaltsam zu den Reisfeldern ausgelagert.
Wer sich weigert wird erschossen oder kommt ins Gefängnis. Zu den Regeln dort gehört das sofortige Antworten auf Fragen. Wer erst überlegt, denkt nach. Denken = Intelligenz = Gefahr. Also musste man sich stumpf und gefühllos verhalten, oder man ist tot.
Ende 1978 griff Vietnam ein, um die sich zu bildende Opposition zu unterstützen. Doch der Anführer der Roten Khmer, Pol Pot, agiert aus dem Untergrund weiter und wird bei seinen Machenschaften von den USA unterstützt, denn die wollen keine vietnamesische Expansion. Die neue Exilregierung unter Pol Pot wird auch von den Vereinten Nationen anerkannt.
Doch 1997 wird Pol Pot dann verurteilt und bekommt lebenslänglich. Ein Jahr nach Haftantritt stirbt er, vermutlich Selbstmord.
Ende 1991 wird per Friedensvertrag Waffenstillstand beschlossen, doch die Rote Khmer boykottiert die für ’93 geplanten Neuwahlen. Die UN antwortet mit Wirtschaftssanktionen, die Khmer Rouge entführt UN Truppenangehörige, Tausende Einheimische fliehen.
Ab ’96 beginnt die Rote Khmer dann auseinander zu brechen, Ende ’98 ergeben sie sich.
Erst 2007 nahm das Rote Khmer Tribunal seine Arbeit auf, nach anfänglichen Finanzierungsschweirigkeiten (die USA will sich nicht an den Kosten beteiligen).
Der Prozess dauert jedoch sehr lange an und zieht sich bis heute. Vom Prozess ist auch nur die obere Führungsliga der Roten Khmer betroffen, denn noch viele der heute aktiven Politiker gehörten der gewaltsamen Bewegung an. Nun können sie fröhlich ihre Ämter ausführen, unter ihnen der aktuelle Ministerpräsident Hun Sen.
Auf dem Blog einer Kambodschanerin könnt ihr noch mehr zur aktuellen Lage lesen: http://keochan.tumblr.com/post/72148029405/a-story-about-cambodia

Während meiner Zeit in Phnom Pen protestieren die Textilfabrik Arbeiter für mehr Lohn. Ein paar werden von der Militärpolizei erschossen. Doch auch hier ist es wie in Bangkok: Man bekommt als Tourist nichts davon mit.

Nach Phnom Pen fahre ich in den Süden, nach Sihanoukville. Ich freue mich, das erste Mal am Strand und Meer zu sein.

Sihanoukville – Partyabgründe und schöne Märkte

Sihanoukville verfügt über verschiedene Strände. Ich entscheide mich mit Serendipidy eindeutig für den falschen. Ich bin in einem 12 Bett Zimmer. Viele Australier sind hier. Und den ihr Tagesablauf sieht so aus: Um 8 Uhr morgens ins Bett fallen, Valium einschmeißen, bis 21 Uhr schlafen, Party machen. So wiederholt sich das dann täglich für eine Woche und dann fliegen sie wieder heim. Vom Land gesehen haben sie dann Null. Der Strand ist überlaufen und ich fühle mich wie am falschen Ort. Das hier ist so, wie ich mir den Ballermann oder Ibiza vorstelle. Entspannen ist hier nicht, alle 2 Minuten wird man von Verkäufern angesprochen. Nachts steigen dann Partys in den Strandbars. Hier steht man drauf Luftballon zu erwerben, die mit Lachgas gefüllt sind und inhaliert werden. Ich will mit ein paar anderen tanzen, doch auch das bringt mir keine Freude. Um mich rum sind nur alte westliche Männer und Prostituierte. Die Atmosphäre ist widerlich und ich habe keine Lust mehr noch länger hier zu sein.
Kommt lieber beim Otres Beach unter, den sehe ich mir an einem Tag an und er ist weniger überfüllt und entspannter. Abends findet manchmal ein „Markt“ statt, der ist schön. Hier kann man Bier trinken, plaudern und sich auch Tattoos stechen lassen.
Nach ein paar Tagen folge ich den Tipps, mir die Insel Koh Rong anzusehen. Die Preise für die Fähre halte ich für überzogen, doch die Investition lohnt sich! Zu dem Artikel geht es hier und der lohnt sich :)

 

Falls ihr mehr lesen wollt dann schaut mal bei Kambodscha – Bunt in allen Bereichen vorbei. Aber auch die Reisen durch andere Länder wie Rucksackreisen in Laos – Dem Mekong durchs Land folgen oder Trekkingtour durch den Dschungel von Thailand sind tolle Erfahrungen.

Jil Sayffaerth

Jil Sayffaerth, Jahrgang '91, lebt und studiert im wunderschönen Bamberg. Dort schreibt sie unter anderem für die Studierendenzeitschrift Ottfried und ist für den Online Bereich verantwortlich. Dabei, sowie beim Reisen, begeistert sie sich vor allem für interessante Begegnungen mit Menschen. Ansonsten hat sie Spaß an gutem Essen, Serien und kreativen Tätigkeiten, die eher Chaos statt Kunst hervorbringen. Rom und Kambodscha sind bislang ihre liebsten Reiseziele.

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2 Responses

  1. 11. Februar 2016

    […] die Armut am direktesten vor Augen geführt bekommt. Die Vergangenheit des Landes ist schrecklich (Kambodscha – Schreckliche Vergangenheit, eskalierende Partytouristen und einmalige Natur), doch man spürt den Auftrieb. Unfassbar freundliche Menschen, viele Baustellen und immer mehr […]

  2. 14. Februar 2016

    […] Was ein Kontrast zu der Etappe davor. Falls ihr wissen wollte, wo ich vorher war und was ich erlebt habe könnt ihr das hier gerne nachlesen Kambodscha – Schreckliche Vergangenheit, eskalierende Partytouristen und einmalige Natur […]

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