Sommer, Sonne, Trennung?

Ich habe schon unzählige Bericht darüber gelesen, das Paare sich nach ihrem Urlaub trennen. Die innig ersehnte Zweisamkeit wird zur trügerischen Falle und die Desillusionierung setzt ein. Wo ist diese rosa Brille hin und warum verschwindet sie denn dann nur so schnell? Hat man sich zu Beginn einem Trugbild hingegeben und ist einem nicht existierenden Geist hinterher gejagt?


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Urlaubszeit! Trennungszeit?

Es gibt unzählige Seiten die Tipps liefern, wie man sich nicht Verhalten und was vermieden werden sollte. Häufig wird der mangelnden Kommunikation, ungeklärte Konflikte und der Ruhe und Zeit der Schuh angezogen. Langjährige Beziehungen scheinen häufiger davon betroffen zu sein als frisch Verliebte. Tipps wie kleine Kompromisse finden, Zeit für Gespräche mit Zwischenbilanz ziehen und mal Auszeiten um Solo unterwegs zu sein, sollen Helfen die Probleme aus dem Weg zu schaffen. Aber auch klar formulierte Wünsche an den Urlaub und ein gewisses Maß an Kommunikation und Aufmerksamkeit sollen der Trennung entgegen wirken. Doch helfen diese Tipps wirklich?

Das Ganze, muss ich ehrlich zu geben, hat mich Verwirrt und Irritiert. Mein Eindruck ist dabei ein ganz anderer. Ich finde den Alltag gemeinsam zu bewältigen viel schwieriger. Ich liebe die Auszeiten im Urlaub und gerade die Zeit um lange Gespräche zu führen oder mal etwas gemeinsam auszuprobieren. Endlich hat man, nach dem ganzen Alltag, Zeit für einander. Wir können uns wieder emotional näher kommen und über unsere Veränderungen sprechen.

Veränderungen ein wichtiger Stichpunkt!

Zu Beginn einer Partnerschaft ist man begierig darauf alles über diese Person zu erfahren. Jedes einzelnes Muttermal ist ein Abenteuer, dass erlebt werden möchte. Die Nächte werden, durch das innige Verlangen den eigenen Wissensdurst zu stillen, zum Tag oder man erliegt seinen sexuellen Gelüsten. Mit der Zeit lernt man den Partner kennen und es entwickelt sich häufig das Gefühl, dass man alles über den Anderen weiß. Jedoch glaube ich, dass darin häufig der Fehler liegt. Menschen verändern sich und entwickeln sich, auch wenn wir das nicht ganz glauben wollen. So auch unser Partner und wir selbst natürlich. Sicherlich sind die Veränderungen nicht so riesig, dass diese einem direkt ins Auge springen. Aber auch die kleinen Veränderungen haben Auswirkungen auf unser Leben.  Um sich nicht zu sehr zu entfremden, versuchen wir zu überprüfen in welche Richtung sich jeder von uns entwickelt. Natürlich nicht mit einer Checkliste an denen wir die Punkte abhacken, die gleich geblieben sind oder sich verändert haben. Das Ganze findet bei uns durch Gespräche statt und dem Berichten von unseren Erlebnissen und Anschauungen zu bestimmten Gebieten und Tastenfeldern.  Gerade die Diskussionen über bestimmte Thematiken bringt uns weiter und vor allem näher zueinander. Natürlich kann dies auch mal im Alltag stattfinden, doch gerade im Urlaub ist da die Zeit vorhanden um ausgiebig zu sprechen und sich intensiv mit dem Partner auseinander zu setzen. Mit seinen Wünschen, Träumen und auch Weltanschauungen. Damit bleibt der Partner auch immer spannend und es gibt immer etwas zu erforschen.

Vielleicht wäre es auch schon hilfreich schon zu Beginn einer Partnerschaft herauszufinden, wie der Andere zu manchen Dingen steht, auch wenn häufig die Angst vor einer unharmonischen Diskussion sehr stark ist. Sobald die Interessen und Vorstellungen eh zu weit voneinander abweichen sollte man sich die Frage stellen, wie viel Sinn dann eine Partnerschaft ergibt und was man selbst im Leben in den Fokus stellen möchte? Es gibt Differenzen die kaum oder gar nicht zu bewerkstelligen sind. Dann ist es auch schöner, dies früher zu erfahren als später in einer Zickmühle zu stecken.

Die lieben Kompromisse

Den Tipp Kompromisse finde ich besonders grandios sinnlos :)  Ist unser Alltag nicht sowieso schon geprägt von Kompromissen? Nicht nur in der Partnerschaft. Weshalb sollte es dann im Urlaub anders sein? Was machen wir wann, wie und wo? Wann fahren wir zu den Schwiegereltern und welche Hochzeit ist die Nächste? Also ist der Tipp meiner Meinung nach eher unnötig oder habt ihr das Gefühl, dass ihr im Alltag wirklich kompromisslos eure Ego-tour durchziehen könnt? Und vor allem ist dieser Tipp nicht speziell nur an einer Partnerschaft gekoppelt. In jedem Urlaub mit anderen Personen sind Kompromisse und auch Diskussionen vorprogrammiert. Diese müssen immer wieder neu ausgehandelt werden. Wenn man kompromisslos sein möchte, dann sollte man doch lieber alleine fahren. Meiner Meinung nach sind die Kompromisse, die im Alltag eingegangen werden müssen, schwieriger zu Treffen als im Urlaub. Deshalb kann ich nicht nachvollziehen weshalb es im Urlaub schwerer sein sollte? Da man sich nicht mit den Kompromissen zur Hausarbeit, der gemeinsamen Zeit, dem Job, den Freunden, der Familie, den Hobbies und und und  auseinander setzen muss. Gerade die wirklich nervigen Themen sind im Urlaub nicht relevant. Genauso muss das auch im Urlaub auf einem geringeren Level austangiert werden.

Beeing Solo

Auch der Tipp mal alleine unterwegs zu sein. Na klar, dass ist doch auch im Alltag häufig so. Ein Job, ein eigenes Hobby, eigene Freunde etc. Man verbringt nicht jede Minute mit dem Partner. Urlaub ist auch nicht dafür da, stetig was mit dem Anderen zu machen. Es soll auch mal Erholung für einen selbst sein, selbst wenn es einfach nur heißt alleine am Strand zu liegen oder einen langen ausgiebigem Spaziergang zu machen. Trotz der schönen Zweisamkeit kann die Einsamkeit auch so verlockend und befreiend sein. Gerade da ist mir schon häufiger aufgefallen, dass die Kommunikation der Paare häufig nicht richtig funktioniert. Viele sehnen sich auch im Urlaub mal nach etwas Zeit für sich und können diese Wünsche nicht wirklich formulieren. Sie fürchten den Anderen zu verletzen. Doch häufig besteht der Wunsch auf beiden Seiten und wird erst durch die Kommunikation ersichtlich. Wenn man das Thema offen anspricht und dabei dem Partner vermittelt, dass es keine Distanzierung von ihm ist, sondern einfach der Wunsch etwas Me-time zu haben, kann dieser Wunsch doch nicht abgeschlagen werden? Meine persönliche Grenze liegt bei maximal 4 bis 5 Tagen, danach brauche ich definitiv wieder Zeit für mich um auch mal ganz blöde Dinge zu machen 😉 Gerade im Zusammenleben mit einem Partner ist es kompliziert Auszeiten für sich einzuplanen. Wann ist es möglich sich etwas Zeit frei zuschaufeln, wenn Termine und Verpflichtungen quälen? Wir haben auch unsere Zeit gebraucht bis sich dies einpendeln konnte. Auch durch eine hoffentlich ehrliche Kommunikation konnte dies geschehen. Einige Seiten behaupten, dass Männer mehr Ruhe brauchen und Frauen eher die Zeit mit dem Partner verbringen wollen. Auch dafür muss erstmal ein Mittelweg gefunden werden. Wie viel Zeit darf man sich nehmen ohne den Partner das Gefühl zu geben abgestoßen zu werden? Was dabei aber vorweg geklärt werden muss und das könnt ihr nur mit euch selbst klären; Wie viel Zeit brauche ich eigentlich für mich? Das sind wesentliche Fragen die geklärt werden sollten, für die es leider keine Patentformel gibt und nur von jedem Paar selbst ausgehandelt werden kann. Unsere Bedürfnisse sind doch sehr unterschiedlich und müssen erst in einen Einklang gebracht werden. Aber dies finde ich im Alltag schwieriger als im Urlaub. Da ist es kein Problem, wenn sich einer von uns zurückzieht um etwas Zeit für sich zu haben gerade weil man ja so viel Zeit hat.

Or Together?

Und wenn ich es auch mal gern hab alleine zu sein, freue ich mich, dass ich gerade im Urlaub viel mehr Zeit habe um diese qualitativ auch mit meinem Partner zu verbringen. Gerade die gemeinsamen Erlebnisse schweißen uns zusammen. Natürlich muss es nicht unbedingt etwas gefährliches sein. Aber das Besondere, dass man zusammen teilen kann und einen als Team zusammenschweißt sind doch die Besonderen Momente. Die kleinen Insider entstehen doch nicht wirklich, wenn man zusammen auf dem Sofa lümmelt. Ich persönlich kann dabei auch nicht so viel besprechen, warum sollten wir uns noch über ein Fernsehprogramm unterhalten. Ich liebe es aktiv Zeit mit meinem Freund zu verbringen ob ein kleines Spiel, eine tiefsinnige Unterhaltung oder sportliches Programm, hauptsache gemeinsam Erleben. Das alles bereitet mir Freude. Unser Urlaub wird auch so geplant, dass wir etwas Erleben und Unternehmen können und auch hier kann ich behaupten, dass ich es da wesentlich einfacher finde als in unserem Zusammenleben. Wenn man täglich arbeitet und dann noch die Zeit und Motivation finden muss, um etwas gemeinsam zu Erleben, bleibt viel im Alltag auf der Strecke. Dabei muss man sich dann auch ständig auf die Suche machen was man gemeinsam machen kann und worauf der Andere ebenfalls Lust hätte. Dann gibt es noch die Verpflichtungen und das eigene Leben und dies immer unter einen Hut zu bekommen, ist für mich ein größerer Drahtseilakt. Ich möchte allem gerecht werden; meinen Freunden, meiner Familie und meinem Partner. Dies zu Managen und dabei noch etwas zu Erleben, bedarf einiger gekonnter Planung und Organisation :)

Die Tipps und Tricks die uns die unzähligen Seiten liefern, finde ich wenig hilfreich. Ich hatte immer das Gefühl, dass der Urlaub viel besser läuft und hilft Probleme aus dem Weg zu schaffen. Die Gestaltung eines gemeinsamen Alltags empfinde ich dabei als schwieriger. Gerade die Kompromisse  und die gemeinsame Gestaltung, trotz der unzähligen Verpflichtungen, macht einem das Leben schwer. Meiner Meinung nach sind Gespräche, Aufmerksamkeit und Zeit für einander wesentliche Elemente für eine Beziehung, deren Befriedigung im Alltag sich als schwieriger erweisen als im Urlaub. Gerade der Aspekt der Kommunikation ist ein Knackpunkt, der zunächst gelernt werden sollte und bei vielen das A und O ist. Nicht nur mit den Worten auch mit unserem Ganzen sein. Ich werde mich weiterhin auf die Urlaube und die gemeinsame Zeit freuen, doch wie ist es den bei euch so? Und Helfen euch die Tipps der Seiten um sich im Urlaub nicht zu trennen? Ich wäre gespannt darauf andere Blickwinkel zu sehen und zu hören weshalb es vielleicht im Urlaub schwieriger ist :)

Annastasia Loos

"Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß wie Wolken schmecken." (A. Einstein) Ein wundervolles Zitat, wie ich finde und nach diesem Motto möchte ich mein Leben führen. Genießen, Erleben und Entdecken! Ich will wissen und hören wie Schmetterlinge lachen und wonach Wolken schmecken und irgendwann möchte ich zurückblicken auf ein erfülltest, ereignissreiches und abenteuerliches Leben.

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1 Response

  1. Schöner Beitrag. Mal was ganz anderes… Wir sind nun im siebten Jahr, sind seit August 2015 auf Weltreise und glücklicher denn je! 7 Jahre lang arbeitete ich in der Nachtschicht und wir konnten höchstens 5 Tage die Woche gemeinsam einschlafen. Nun „hocken“ wir permanent aufeinander und wachsen Tag für Tag noch mehr zusammen. Ich denke wie immer im Leben, kann es so oder so laufen. Viel reden, gemeinsame Interessen und auch mal zurückstecken können sind wirklich wichtig. Auch ohne Handy und Co. gemeinsam zu essen… Und und und… es sind viele kleine Dinge, die eine glückliche Beziehung ausmachen. LG von Bali aus, Daniel und Jessi

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