Der Jakobsweg – Geschichte und Motivation

Der Jakobsweg, genannt Camino ( span. Weg ), begeistert seit vielen Jahren Menschen auf der ganzen Welt. 810 km führt er von Saint-Jean-Pied-de-Port über die Pyrenäen, durch die Weinlandschaften der Navarra und der Rioja, nach Santiago de Compostella. Der Jakobsweg ist der bekannteste christliche Pilgerweg in Europa. Jedes Jahr versuchen sich knapp 90.000 Pilger an diesem Weg.


 

Der Camino Frances – Ein Ausflug in die Geschichte

Die Geschichte des Jakobsweges reicht weit zurück zu den Anfängen des Christentums. Der Heilige Jakobus (lat. Sanctus Iacobus daraus wurde Sant Jago) ein Jünger Jesus, versuchte das heutige Spanien recht erfolglos zum Christentum zu bekehren. Als er nach Palästina zurückkehrte wurde er  im Jahre 44 auf Befehl Königs Herodes Agrippa I. enthauptet. Seine Gebeine wurde in ein Boot gelegt, welches angeblich an der Küste des heutigen Spaniens, nahe Finisterre, strandete. Seine Jünger vergruben seine Gebeine, um sie vor den zu der Zeit in Spanien einfallenden Mauren zu schützen. An dieser Stelle entstand später die Stadt Santiago de Compostella.

Im Jahre 830 wurde Santiago zum Wallfahrtsort ernannt, nachdem man die in einem Grab gefundenen Gebeine dem heiligen Jakobus zugeschrieben hat. Wenn man die Pilgerreise erfolgreich beendet hat erhält man seine Compostella (eine Urkunde), mit dieser werden einem die weltlichen Sünden erlassen und man erhält eine Absolution. Seit dem 11. Jahrhundert folgt der Haupt-Jakobsweg, der Camino Frances, der heutigen Route durch die Königsstädte Pamplona, Estella, Burgos und Leon.

Die Motivation, für die Pilger des Mittelalters, war also eine Mischung aus Angst und religiöser Überzeugung. Doch was bewegt die Menschen in der heutigen Zeit sich auf einen Fußmarsch von über 800 km zu begeben?

 

Die Motive im 21. Jahrhundert

Jeder Pilger hat seine eigene individuelle Motivation um sich dieser Herausforderung zu stellen. Doch fast alle Pilger verbindet der Gedanke, sich der heutigen Gesellschaft für eine gewisse Zeit zu entziehen. Manche versuchen ihre körperlichen Grenzen auszureizen und zu verschieben. Andere versuchen auf der spirituellen Ebene ein gewisse Erleuchtung zu erlangen und ihre „Innere Mitte“ zu finden. Der Jakobsweg stellt einen so starken Kontrast zu unserer heutigen Gesellschaft dar, dass man sich tatsächlich neu erfinden und entdecken kann. Die alltäglichen Ablenkungen und Probleme sind unglaublich weit entfernt und verlieren ihre Bedeutung.

Einmal auf dem Jakobsweg angekommen, verschieben sich alle Prioritäten, wichtig ist nur der nächste Schritt und die nächste Stadt. Ohne die Ablenkungen unserer heutigen Zeit, kann man endlich wieder Mensch sein, endlicher wieder ich sein.

In den folgenden Artikeln werde ich der Faszination Jakobsweg weiter auf den Grund gehen. Und mich zum zweiten mal in dieses mittelalterliche Abenteuer stürzen.

 

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