Die Schönheit des Neuen

Alles auf Anfang. Neubeginn.Unsere Autorin Jil hat einen Neuanfang gewagt. Lest mehr was sie dazu zu sagen hat und was sie darüber denkt.


Es beginnt mal wieder eine neue Produktion, mit neuen Darstellern und einer bis dato unbekannten Location.
Ich ziehe in eine neue Stadt und beginne ein neues Studium. Ich sage mir selbst „Wenn, dann richtig…“ und wähle mir prinzipiell Städte aus, die ich vorher noch nie zu Gesicht bekam. So hat man noch kein Bild im Kopf – höchstens ein fiktives. Und das gefällt mir. Altbekanntes führt nur zu schnell zu Langeweile und das brauch ich nicht. Lieber neu entdecken!
Und so folge ich meinem Instinkt und wähle… Bamberg! Nun bin ich seit ein paar Wochen hier, lerne neue Menschen kennen und nicht selten fällt die Frage „Und wieso hast du dich für Bamberg entschieden?“ Und ganz ehrlich, ich habe nicht viele Argumente hervorzubringen. Es fühlte sich einfach richtig an. Ich kannte nicht eine Person hier und mir hatte noch nie jemand aus meinem Bekanntenkreis von der nordfränkischen Stadt vorgeschwärmt.
Nach anfänglichen Startschwierigkeiten, in denen ich noch keine Wohnung hatte und zu Studienbeginn im Hostel lebte, hause ich nun in einer der zentralsten WGs Bambergs, in einem schmucken Altbau mit Stuck an den Decken. Und nicht nur mein Zimmer bezaubert mich, es ist die ganze Stadt und die Euphorie des Neuen.

Bei der Erkundung der neuen Wahlheimat laufe ich erst mal recht ziellos durch die Stadt, einfach um ein Gefühl für den Ort zu entwickeln. Und siehe da: trotz meines recht zurückhaltenden Orientierungssinns, verlaufe ich mich nie und merke schnell, wie Bamberg aufgebaut ist. Nagut, zugegebenermaßen ist sie halt auch nicht die größte Stadt.
Aber umso gemütlicher und mit einer Menge Charme versehen.
Auf manche wirken die Franken erstmal kühl und forsch, aber mich empfangen sie wohlgesonnen.
Dazu ein paar Situationsbeschreibungen:
Ich kaufe spontan ein, habe vollbepackte Arme, doch das Geld für die Tüte ist mir wie immer zu schade (und es ist ja eh zu viel Plastik im Umlauf ;)), mich sieht ein älterer Mann so an der Bushaltestelle – und schenkt mir lächelnd eine Tasche.
Meine erste Busfahrt: Ich frage, ob dieser Bus denn auch bei der Feki (Unigebäude) hält – das bekommt ein Student mit, schließt, ich bin neu und verwickelt mich in einer super nettes Gespräch, mit zahlreichen Tipps über Uni und Stadt.
Oder auch, wenn es darum geht, sich die Bude schön einzurichten – meine Mitbewohnerin und ich haben zahlreiche Sachen geschenkt bekommen, einzige Bedingung ist, das man die Sachen selbst abholt. So bekamen wir schnell alles Mögliche: Kaffeemaschine, Tafel, Schränkchen, Zuccinipflanzen, Lichterketten…
Eine weitere Beschaffungsmethode die hier üblich ist, ist das Sperrmüll-Shoppen. Hier gibt’s feste Termine, zu denen alle ihren Krempel rausstellen. Und dann ziehen die WGs los – teils mit Schubkarre – und entdecke die tollsten Sachen – oder aber auch Müll.
Mittlerweile gibt’s hier auch einen Umsonstladen. Wie ihr also seht, wird hier der Tauschhandel zelebriert. Und das ist echt schön.
Bamberg. Das bedeutet auch, das ich erstmals in Bayern lebe (wobei zu betonen ist, das hier natürlich alle Franken sind – kei Bayern ;)). Hier geht’s zünftig her und Klischees bewahrheiten sich. Fleisch (Schäuferla) und Bier (Spezialität: Rauchbier) werden einem hier in Wirtshäusern oder „Kellern“ (die sich auf Bergen befinden) kredenzt. Und die sind echt belebt! Wirklich, was ganz anderes. In so einer Geräuschkulisse war ich zuvor noch nie essen. Aber es ist herrlich, strahlt einfach Lebendigkeit aus und keiner ermahnt einen, wenn man mal lauter spricht.
Ja, hier geht es schon auch irgendwie spießig zu. Klar, Bayern = CSU. Hier gibt’s zum Beispiel ne Sperrstunde. Aber das fällt nicht ins Gewicht, wenn man trotzdem genug Spaß hat. Hier findet zum Beispiel regelmäßig Poetry Slam statt. Und das auf einem Niveau, welches mir bis dato unbekannt war. Es ist eine grandiose Veranstaltung, zu der jeder sein eigenes Kissen mitbringt, und es sich einfach auf dem Boden bequem macht. In der gleichen Locations finden auch Konzerte statt (ich war bei Jamaram) und Partys.
Ein weiterer Bamberg Publikumsmagnet ist die heimische Bastekballmannschaft: Brose Baskets. Einer der besten deutschen Mannschaft und Bamberg liebt sie. Am Rathaus hängt auch ein großes Banner: „Alle für die F5NF“ mit einem Bild der Sportler.
Also falls ihrs noch nicht verstanden habt: Bamberg ist ne tolle Stadt, die man sich mal anschauen sollte. Alte Gebäude sind gut erhalten, die Innenstadt ist wunderschön, es gibt Orte die an Venedig erinnern, eine Unibib wie aus Harry Potter entsprungen und es gibt so viele Brauereien wie nirgends sonst.
Außerdem ist die Lage toll. Ich will in der nächsten Zeit auf jeden Fall die Fränkische Schweiz, Bayreuth, Würzburg, Nürnberg, etc. anschauen und freue mich schon sehr darauf.
Die Erkundung der Umgebung kann man z.B. mit dem „Bierwandern“ verbinden. Es gibt Routen, die einen von Brauerei zu Brauerei führen. Ich war nie der größte Bierfan, aber wie könnte man da widerstehen?
Zwischen Spieleabenden, Running Dinner, feiern, Kneipentouren, gemeinsamen Kochen, Quizabenden in der Kneipe, Leuten kennenlernen, picknicken und verrücktem Ausprobieren, wie dem Mitmachen bei einem Vintage Shooting mit einer Kamera von 1851, habe ich natürlich auch mein neues Studium begonnen, welches mir bislang ziemlich gut gefällt. Es gibt wirklich interessante Seminare und ich werde nebenbei beginnen, für die Studentenzeitschrift „Ottfried“ zu schreiben.
Ich glaube mit Studium, und mit Bamberg, erst einmal die richtige Wahl getroffen zu haben.

Man lebt sich ein und beginnt wieder zu leben.

Jil Sayffaerth

Jil Sayffaerth, Jahrgang '91, lebt und studiert im wunderschönen Bamberg. Dort schreibt sie unter anderem für die Studierendenzeitschrift Ottfried und ist für den Online Bereich verantwortlich. Dabei, sowie beim Reisen, begeistert sie sich vor allem für interessante Begegnungen mit Menschen. Ansonsten hat sie Spaß an gutem Essen, Serien und kreativen Tätigkeiten, die eher Chaos statt Kunst hervorbringen. Rom und Kambodscha sind bislang ihre liebsten Reiseziele.

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